Die Thermenwelt Ischias

Das Wasser des Wohlbefindens

 

Das Thermalwasser der Insel Ischia war schon seit der Antike bekannt und genutzt. Wie die zahlreichen archäologischen Funde aus dem einstigen Pithecusa belegen (heute im Archäologischen Museum in Lacco Ameno ausgestellt), waren die Thermalquellen Ischias schon den ersten griechischen Siedlern aus Euböa (8. Jh. v.Ch.) bekannt, die davon reichlich Gebrauch machten. Die Griechen wandten Thermalwasser an, um Körper und Seele zu kräftigen und die Heilung von Kriegswunden zu beschleunigen (als es noch keine Antibiotika gab!). Sie waren fest von der überirdischen Kraft des Wassers und der Dämpfe aus dem Inneren der Erde überzeugt. Es ist kein Zufall, dass sich in der Nähe einer jeden Quelle Tempel befanden, die den Göttern gewidmet waren, wie z.B. der berühmte Tempel zu Ehren Apolls in Delphi.
Gehören die Griechen zu den ersten Völkern, die sich der Kräfte des Thermalwassers bewusst waren, so waren es jedoch die Römer, die es als Mittel zur Entspannung und Schönheitskur priesen. Es ist erwiesen, dass sie hier öffentliche „Thermae“ errichteten und sich der zahlreichen Quellen der Insel bedienten, wie z.B. der Quelle „Nitrodi“ in Barano, wo einst ein kleiner Tempel dem Gott Apoll und den Nymphen von Nitrodi gewidmet war.
Über Thermalwasser und -anlagen begann man erst in der Renaissance wieder zu sprechen. Entscheidender war der Impuls, den die moderne Thermalwissenschaft durch den Arzt aus Kalabrien Giulio Jasolino erhielt, der als Dozent an der Universität Neapel gegen Ende des 16. Jh. vom Klima und den Phänomenen des sekundären Vulkanismus (Fumarolen und Thermalwasser) fasziniert war. Die möglichen therapeutischen Anwendungen des Thermalwassers vorausahnend, nahm Jasolino eine Zählung der ischitanischen Quellen vor, identifizierte die chemische Zusammensetzung des Wassers und beschrieb detailreich die unterschiedlichen Wirkungen bei der Behandlung zahlreicher Krankheiten, die seine Zeitgenossen plagten.
Nach den Erfahrungen Jasolinos und davon ausgehend, dass die Heilung oft nur durch Ganzkörperbäder eintreffen konnte und dass sich damals nur wenige reiche Adlige und die Bourgeoisie die teuren Kuren auf Ischia leisten konnten, ließ zu Anfang des 17. Jh. eine Gruppe neapolitanischer Philanthropen in der Gemeinde Casamicciola den sog. „Pio Monte della Misericordia“ errichten – die damals größte Thermalanlage Europas. Sie sollte es auch den Mittellosen ermöglichen, die therapeutische Wirkung des Thermalwassers zu genießen.
Zwischen dem 17. und der ersten Hälfte des 20. Jh. entstanden in der Nähe der wichtigsten Thermalquellen zahlreiche Anlagen und Hotels, welche die Insel zu einer namhaften internationalen Luft- und Kurort machten. Hier behandelten ihre nicht nur körperlichen Beschwerden Berühmtheiten wie u.a. Giuseppe Garibaldi, nach seiner Schlacht in Aspromonte, Graf Camillo Benso di Cavour, Musiker Arturo Toscanini.
Dank der Initiative des Verlegers Angelo Rizzoli in den Sechziger Jahren, der eine intensive wissenschaftlichen Tätigkeit rund um die Quellen förderte, öffnete sich die Insel dem Tourismus.
 

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